30.07.2018

Stadtbahnausbauprojekt Stadt.Bahn.Plus

Bürger diskutieren Details zur Wendeschleife in Gliesmarode

Die Luft war schwül und stickig im Begegnungszentrum am Soolanger in Gliesmarode. Trotz des herannahenden Gewitters hatten sich dort knapp 50 Bürger eingefunden, um mit den Planern von Stadt und Verkehrs-GmbH über die Details der geplanten Stadtbahn-Wendeschleife an dem Knoten/der Kreuzung Berliner Straße/Querumer Straße/An der Wabe zu diskutieren. Es sollte entsprechend der Temperaturen eine hitzige Diskussion werden, die jedoch einen versöhnlichen Abschluss fand.

 

Im Zuge des ersten Bürgerworkshops zur Verlängerung der heutigen Linie 3 ins Neubaugebiet Volkmarode-Nord im Dezember vergangenen Jahres war das Thema Wendeschleife in Gliesmarode erstmals auf den Tisch gekommen. In einem weiteren Workshop im März dieses Jahres waren bereits zwei Varianten von den Teilnehmern mit wenig Zustimmung versehen worden und aufgrund der übereinstimmenden fachlichen Bewertung des Planungsteams verworfen worden. Beide sahen den Bau der Wendeschleife auf der Grünfläche nördlich der Paul-Jonas-Meier-Straße vor. „Wundern Sie sich also nicht, dass wir hier heute Abend nur noch über eine einzige Variante reden“, sagte Jörg Reincke, Geschäftsführer der Verkehrs-GmbH, in seinen Begrüßungsworten. Im Mittelpunkt stehe an diesem Abend die Frage, was die Wendeschleife für den Verkehrsknotenpunkt bedeute und wie das Umfeld gestaltet werden solle.

 

Elke Rasch-Schulz, Teilprojektleiterin von der Verkehrs-GmbH, fasste zu Beginn noch einmal die Anregungen der Bürger aus dem vorherigen Workshop zusammen. In Bezug auf das Umfeld hatten sich die Teilnehmer unter anderem für den Erhalt von Parkplätzen, Absperrgittern an den Gleisen, Rasengleise ausgesprochen und einen Vorschlag für die Versetzung des Gedenksteins unterbreitet. Er muss aufgrund der Wendeschleife verlegt werden, soll jedoch NICHT auf die für den Bau benötigten Flächen verlegt, sondern aus dem Bereich hinaus gelegt werden.

 

Bei der Gleisführung sei der Vorschlag gekommen, auch eine Einfahrt aus Richtung Volkmarode vorzusehen. Eine Prüfung dieses Vorschlags habe jedoch ergeben, dass Nutzen und Kosten hierfür in keiner angemessenen Relation stünden. Auch eine Weiterführung der Gleise in Richtung Querum werde zurzeit nicht weiterverfolgt, sagte die Teilprojektleiterin. Schließlich solle der Stadtteil bereits durch die Campusbahn erschlossen werden. „Zu diesem Teilprojekt wird es in naher Zukunft ebenfalls einen Bürgerworkshop geben“, kündigte Rasch-Schulz an.

 

Als nächstes rückte der Verkehrsaspekt in den Vordergrund. Verkehrsplanerin Irina Spies von der Stadt stellte zu diesem Punkt eine Untersuchung eines externen Ingenieurbüros vor. In der Verkehrsuntersuchung wurde die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes sowohl für die Morgenspitzenstunde als auch die Nachmittagsspitzenstunde für unterschiedliche Planungsvarianten berechnet.

 

Ergebnis: Sowohl die Wartezeiten als auch die Staulängen reduzieren sich in dem Planfall mit Wendeschleife gegenüber dem Planfall ohne Wendeschleife (Nullvariante). Sowohl die Wartezeiten als auch die Staulängen reduzieren sich in dem Planfall mit Wendeschleife gegenüber dem Planfall ohne Wendeschleife (Nullvariante). Zwar verlängern sich in diesem Fall punktuell die Staulängen, durch die Umgestaltung des Knotenpunkts und Änderung der Signalisierung bleibt die Leistungsfähigkeit der Kreuzung erhalten. Im Vergleich zum derzeitigen Zustand ergeben sich deutliche Verbesserungen für den Geh- und Radverkehr.

 

Doch diesen Berechnungen schenkten vereinzelte Bürger kein Vertrauen. Sie zweifelten die Berechnungen bereits während der Präsentation mit teilweise emotional vorgebrachten Zwischenkommentaren an. Dies setzte sich auch in der anschließenden Gruppenarbeitsphase an den Dialogstationen fort. Die größte Sorge der Bürger: Weil es fortan von der Berliner Straße nur noch eine Linksabbiegerspur in die Querumer Straße geben soll, seien lange Rückstaus zu befürchten. Ein Bürger verlangte, dass die Petzvalstraße mit dem dortigen Park-and-Ride-Parkplatz noch einmal als mögliche Alternative für den Wendeschleifen-Bau in Betracht gezogen werden solle.

 

Letztlich konzentrierte sich der Großteil der Teilnehmer jedoch auf die Erarbeitung von Detailmaßnahmen für eine Wendeschleife an der vorgesehenen Stelle. Parkmöglichkeiten für Pkw und Fahrräder vor der Geschäftszeile, umfangreiche Grünflächen sowie eine Be- und Entladezone für Lastwagen des dortigen Einkaufsmarktes wurden vorgeschlagen. Aber auch in Bezug auf die Linksabbieger-Problematik wurden von den Teilnehmern Lösungsansätze eingebracht. Die Vorschläge werden nun vom Planerteam auf Umsetzbarkeit geprüft.  

 

Am Ende rief Karolin Thieleking vom Planungsbüro KoRis die Teilnehmer dazu auf, die vorgeschlagene Planung zu bewerten. Heraus kam ein gemischtes Ergebnis zwischen den Bewertungsoptionen gut, mittel und schlecht. „Wie nach jedem Workshop schließt sich auch jetzt eine weitere Arbeitsphase an. Unsere Planer werden an einigen Stellen noch einmal genau hinschauen“, versprach Albrecht Curland. Der Projektleiter der Verkehrs-GmbH für den Stadtbahnausbau konnte sich am Ende noch einmal freuen: Eine klare Mehrheit bewertete nicht nur diesen Workshop positiv.

 

Alle Informationen über Stadt.Bahn.Plus:  www.stadt-bahn-plus.de